Guten Tag zusammen.
Heute will ich Euch eine ganz besondere Uhr vorstellen, die man nicht mehr so allzu häufig antrifft.
Hier die Geschichte, wie ich an diese Uhr kam:
Schon lange trug ich den Wunsch in mir, eine LCD-Uhr zu besitzen. Da mir die heutigen LCDs nicht sonderlich zusagen, war schnell klar, dass ich eine Vintage haben musste. Viele werden wissen, dass ich Omega sehr zugetan bin und so entschloss ich mich, meine Augen auf eine schöne alte Omega-LCD-Lady zu richten.
Tja, leider war das garnicht so einfach, da gerade diese Modelle doch sehr rar sind, vor allen Dingen, wenn sie meinen hohen Vintage-Ansprüchen entsprechen sollten.
Nach wochenlangem Suchen war es dann endlich soweit: Ich fand eine Constellation mit Kaliber 1620 bei ebay, dazu noch in einem traumhaften Zustand – die MUSSTE ich haben!
Da ich zu diesem Zeitpunkt keine Ahnung hatte, wie hoch diese Modelle gehandelt wurden, dachte ich, mit 300€ machste nix falsch – wer gibt schon so viele Kohle für eine seelenlose alte mechanikfreie elektronische Uhr aus? Mein Vater verdrehte dabei schon die Augen und hielt mich für irre. 300 Piepen für ne LCD-Uhr? Niemals würde mich da jemand überbieten.
Ich wurde leider eines besseren belehrt. Endpreis: etwas über 550€.
Ich war am Boden zerstört, würde ich dieses Budget doch niemals einsetzen, da es einfach zu hoch war. Ich verabschiedete mich also von dem Gedanken, diese Uhr jemals zu besitzen. In weiteren Auktionen bestätigte sich dieser Preis, anscheinend war sie sehr gefragt.
Die Wochen zogen ins Land, die Uhr geriet fast in Vergessenheit. Aber eben nur FAST, zu groß war doch der Wunsch, vielleicht doch einmal diese Uhr zu besitzen. Und durch Zufall wurde ich wieder fündig, jedoch hatte die Sache einen winzigkleinen Haken: Die Uhr, die angeboten wurde, war in einem erbärmlichen Zustand, als hätte der Träger 40 Jahre unter Tage Kohle gekloppt – mit genau dieser Uhr am Handgelenk. Wirklich schlimm. Aber egal, ich steh auf Herausforderungen und so fand sie den Weg zu mir. Wer jetzt glaubt, ich hätte die Kleine für’n Appel und ein Ei bekommen, täuscht sich leider. Selbst in diesem Zustand wurde noch hoch gepokert. Aber ich habe gesiegt.
So, Leute, Sonnenbrillen auf und angeschnallt, SO kam die Lady bei mir an:
Ein Alptraum oder? Riesenmacken im Gehäuse und Band, Glas im Eimer und die Nullstellung des Chronos ging auch nicht mehr, der lief fröhlich im Hintergrund weiter. Trotzdem kein hoffnungsloser Fall, denn Stahl bekommt man wieder hin – und wenn es mit schwerem Gerät sein muss. Da ich einen Artikel eines befreundeten Uhrmachers zum Thema ‘Glas einschleifen’ gelesen hatte, dachte ich, dass es auch nicht schwer werden würde, dieses auch hier umzusetzen und kurzerhand schrieb ich ihn an und fragte nach. Doch die Kelle kam gewaltig.
‘Die meisten Gläser sind von hinten mit der Maske bedruckt, da kann man kein neues Glas einschleifen und nur hoffen, dass man ein Originalglas bekommt.’
Anfragen an zwei weitere Spezialisten bestätigten seine Aussage.
Mist, hoffentlich bekommt man noch ein Originalglas. Aber zu welchem Preis? Meine Stimmung war am Tiefpunkt und ich beschloss, erst einmal die Uhr zu zerlegen und so weit wie möglich aufzuarbeiten.
Also erstmal öffnen. Ihhhhhhh…die Dichtung hatte sich komplett aufgelöst, was fürn Dreck:
Der Zahnstocher beseitigte dann erst einmal die Dichtungsreste, die sich in der ganzen Uhr verteilt hatten und wahrscheinlich auch dafür gesorgt haben, dass die Nullstellung des Chronos nicht mehr funktionierte. Nach Herausnehmen des Werkes und kurzer Säuberung ging das nämlich wieder. Puhhhhh….Glück gehabt, Werk in Ordnung:
Jetzt ans Gehäuse. Erstmal grob gecheckt, wie das alles so aussieht und mit der Uhrmacherlupe machte ich dann eine Entdeckung, die dem ganzen Projekt eine neue Wendung geben sollte: Es hatte sich zwischen Glas und Maske ein kleiner Glassplitter verirrt, der wohl beim Zerstören des Glases dazwischengeraten war. Wieso Wendung des Projektes? Ganz einfach: Wenn sich etwas ZWISCHEN Glas und Maske setzt, KANN das Glas nicht bedruckt und die Maske muss einzeln eingesetzt worden sein. Mit zittrigen Händen drückte ich von hinten das Glas heraus. Pliiiiing – und ein stinknormales Mineralglas lag auf dem Tisch – unbedruckt:
Ich hätte vor Freude in die Luft springen können! Jetzt war es überhaupt kein Problem mehr, ein neues Glas einschleifen zu lassen und nachdem ich das Gehäuse aufgearbeitet hatte….
…schickte ich dieses kurzerhand zu meinem Uhrmacher, der mir dann ein neues Glas einsetzen wollte.
Band und Schließe waren dann aber doch noch eine Herausforderung, weil gerade das Band original eine sehr grobe Struktur besaß, die ich nicht völlig zerstören wollte. Die Kratzer ließen jedoch keine andere Möglichkeit zu, als mit dem Dremel zu arbeiten, sie waren einfach zu tief. Ich polierte also zuerst einmal die groben Kratzer aus Band und Schließe und bearbeitete anschließend alles mit meinem heißgeliebten Schleifpad, um die Struktur möglichst originalgetreu wieder herzustellen. Ich denke, es ist mir ganz gut gelungen:
So sah dann alles zum Schluss doch wieder recht original und gut restauriert aus:
Gestern bin ich aus dem Urlaub wiedergekommen und heute durfte ich die Kleine dann mit neuem Glas in Empfang nehmen. Leider konnte ich heute Abend bei dem Licht nur ein einziges brauchbares Bild machen, aber ich denke, man sieht sehr gut, was man mit ein wenig Geduld, Schweiß, Herzblut und einer kleinen Portion Glück vollbringen kann:
…und ein direkter Vorher-Nachher-Vergleich:
Wunderschön oder?
Meine erste Vintage LCD und dazu noch eine Omega, die man nicht so oft sieht. Sie hat eine permanente Anzeige von Stunden (12/24 Stundenanzeige konfigurierbar), Minuten, Wochentag und Sekunden. Auf Knopfdruck gibt’s das Datum und Licht. Zusätzlich besitzt sie eine umfangreiche Stoppfunktionen mit Splitanzeige. Jahrgang ist ’78.
Vielen Dank für Euer Interesse & schönen Gruß aus’m Pott,
Karsten

